Erfolglose Banker wollen ihren Bonus einklagen

11. Februar 2009 | Von Info | Kategorie: Verschiedenes

Investmentexperten der Dresdner Bank bestehen trotz Milliardenverlusten auf Bonuszahlungen von insgesamt 400 Millionen Euro. Wenn der neue Besitzer Commerzbank die versprochenen Zuschläge nicht überweist, wollen Manager vor Gericht ziehen. Aktionärsschützer werfen den Bankern Geldgier vor.

Die Investmentbanker der Dresdner Kleinwort steuern auf einen Streit mit der neuen Konzernmutter Commerzbank zu. Einige Kapitalmarktexperten wollen klagen, falls ihre Bonuszahlungen geringer ausfallen als angekündigt, hieß es in Bankkreisen nach einem Bericht der “Financial Times Deutschland”. Trotz Milliardenverlusten war den Kleinwort-Mitarbeitern eine Extrazahlung von insgesamt 400 Millionen Euro versprochen worden. Die Commerzbank, die die Investmentbank im Januar übernommen hat, will die Boni angesichts der Verluste auf den Prüfstand stellen.

Die Boni-Zusagen waren vor dem Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank vereinbart worden. Vereinbart hatte die saftigen Zuschläge für die deutschen Investmentbanker um den damaligen Chef Stefan Jentzsch der Vorbesitzer der Dresdner, der Versicherungskonzern Allianz. Der Ex-Chef von Dresdner Kleinwort hat sich dem Vernehmen nach bereits mit einem erklecklichen Betrag aus dem Amt verabschiedet. Jentzsch habe trotz seiner schlechten Bilanz mit acht Millionen Euro seinen Vertrag weitgehend ausbezahlt bekommen, hieß es in Finanzkreisen.

Dem Käufer Commerzbank fiel die Übernahme auf die Füße: Commerzbank-Chef Martin Blessing hat wegen der Verluste beider Unternehmen in der Finanzkrise und der Verschuldung den Staat um Hilfe gebeten. Der stieg mit 25 Prozent ein; für rund 18 Milliarden Euro bürgen die Steuerzahler. Die Banker machten für den Bedarf an Staatshilfe in erster Linie hohe Abschreibungen im Geschäftsfeld Jentzschs verantwortlich. Dass der frühere Dresdner-Kleinwort-Chef trotz seiner Misserfolge mit so viel Geld nach Hause gegangen ist, liegt dem Vernehmen nach an der Vertragsgestaltung durch die Allianz. Der Vertrag sei nicht anfechtbar, hieß es in Münchener Branchenkreisen.

Bei Aktionärsschützern stößt die Klageankündigung weiterer Investmentbanker bei Dresdner Kleinwort auf Kritik. Wenn wegen der Krise alle den Gürtel engerschnallen müssen, gilt das auch für Investmentbanker der Dresdner Bank”, sagte Marco Cabras, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, der “Bild”-Zeitung.

Auch die Schweizer Großbank UBS, die 2008 die größten Verluste ihrer Geschichte verbuchte, zahlt dennoch Milliarden-Boni in Höhe von 2,2 Milliarden Franken aus. Die Ankündigung löste Empörung aus, zumal der Staat der Bank mit sechs Milliarden Franken gestützt hat.

Zur Zahlung von rund einer Milliarde Franken sei sie rechtlich verpflichtet, erklärte die Bank. Eine Dividende wird es für 2008 nicht geben. UBS-Chef Marcel Rohner sagte, mit einem Abbau der Boni-Zahlungen um 83 Prozent stehe die UBS einzigartig da.

2008 betrug der Gesamtverlust der UBS 19,7 Milliarden Franken (13 Milliarden Euro). Im vierten Quartal fiel infolge der globalen Finanzkrise nochmals ein Minus von 8,1 Milliarden Schweizer Franken an, wie die Bank mitteilte. Die Bank verlor außerdem im November und Dezember 2008 Kundengelder in Höhe von 85,8 Milliarden Franken. Die Bank plant vor allem beim Investmentbanking einen weiteren Abbau von 2000 Stellen.

Wegen Bonuszahlungen steht auch die britische Royal Bank of Scotland in der Kritik. Abgeordnete des Parlaments in London kritisierten die hohen Zuschläge für die Bankmanager. Zuvor war bekannt geworden, dass die RBS auch in den kommenden Monaten Prämien von fast einer Milliarde Pfund an ihre Mitarbeiter zahlen will. Die RBS hatte umgerechnet 23 Milliarden Euro von der Regierung bekommen und war dafür zu 68 Prozent verstaatlicht worden.

Quelle:welt.de

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