Infodata

Infodata gehört zu einer Unternehmensgruppe in Rastatt, die sich als Spezialisten für “ganzheitliches Marketing- und Risikomanagement” sehen. Ganzheitlich bedeutet hier komplette Begleitung von der Kundenakquisition über Debitorenmanagement bis hin zum Inkasso. Das Unternehmen hat ein sehr steiles Wachstum zu verzeichnen, expandiert ständig weiter und festigt Marktanteile durch strategische Allianzen mit führenden Anbietern im Bereich Direktmarketing und Unternehmensberatung. Mittlerweile werden fast 900 Mitarbeiter in 22 Einzelunternehmen beschäftigt (Stand: 12/00).

Zu dieser sog. InFoScore-Gruppe gehören – man höre und staune – neben SWI-Inkasso, Nürnberger Inkasso und Isar-Inkasso auch Tochterunternehmen in Frankreich, Schweiz und Österreich (z. B. Delcreda Inkasso (CH), Credidata Inkasso (A) ).

Die Tätigkeit von Infodata/ der InFoScore-Gruppe deckt sich weitgehend mit der SCHUFA und muß wohl als Konkurrenz zu dieser verstanden werden. Allerdings gibt es hier auch Querverbindungen: Infodata schreibt beispielsweise “Sollte unser Auftraggeber Anschlußpartner der Schufa sein, so werden o.a. Daten nach der angegebenen Frist (gemeint ist die Frist zur Zahlung der Forderung an das in diesem Falle eingeschaltet Universum-Inkasso, d.Verf.) auch an die Schufa übermittelt.” Der Löschungsanspruch wird mit Bezug auf das Bundesdatenschutzgesetz für alle Eintragungen mit einer Frist von 5 Jahren angegeben.

Die InFoScore-Gruppe ist auch noch auf anderen Gebieten aktiv. Insbesondere Internet und E-Commerce werden als Wachstumsmotoren gesehen. Kernprodukt ist ein eScore (Risikostreuungsmodul), der Händlern und Kunden den online-Kauf auf offene Rechnung ermöglicht. z. B. als virtuelle Einkaufsstadt im Internet, wo Internet-Nutzer Waren, Unterhaltungen und Dienstleistungen einkaufen können! Wie nah doch Verkauf und Kreditschutz beieinander liegen können…!

Zwischenbilanz

Die SCHUFA/ Infodata-Auskünfte sind in der Regel ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur verläßlichen Erfassung der Schuldensituation, ermöglichen aber allein für sich keine vollständige Schuldenaufstellung. Denn: viele Gläubiger sind nicht Vertragspartner von SCHUFA / Infodata und deren Daten werden damit auch nicht erfaßt ! Interessant dürfte sein, dass die SCHUFA eben nicht nur Negativmerkmale speichert, wie viele Ratsuchende irrtümlich meinen. Sie stehen nämlich erstens “von Anfang an” in der SCHUFA, zweitens gibt es aber auch die Möglichkeit “positiver Ergänzungen” wie z.B. Vermerk von Ausgleich eines Zahlungsrückstandes oder von wieder in ursprünglicher Höhe vereinbarter Ratenzahlung.

Scoring - Risikomanagement

Konkret verzeichnete Negativmerkmale alleine reichen der Wirtschaft inzwischen nicht mehr aus. SCHUFA und InFoScore bieten deshalb einen weiteren Service an: Scoring. Das bedeutet, daß diese Gesellschaften sogenannte Risikogruppen aufstellen und diese Informationen an ihre Vertragspartner weitergeben. Gehört ein potentieller (Kredit/Einkaufs-) Kunde zu einer Risikogruppe mit schlechtem Risikofaktor, auch Score-Wert genannt, kann das Unternehmen den gewünschten Vertrag ablehnen oder von bestimmten Bedingungen (wie z. B. Zahlung im Versandhandel per Nachnahme) abhängig machen. Zwar soll der Score-Wert nicht alleine ausschlaggebend sein, im Massengeschäft wird es aber zunehmend doch so sein.

Wie diese Risikofaktoren, die einen Punktewert zwischen 1 und 1000 ergeben, ermittelt werden, ist ein wohl gehütetes Geheimnis. Jedenfalls werden weder konkrete Zahlungs(un)fähigkeit, noch die Fakten aus der üblichen Schufa-Eintragung bewertet. Sondern das Zahlungsverhalten von verschiedenen Vergleichsgruppen innerhalb der letzten Monate. Dabei kommt dann z. B. auch heraus, daß jüngere Kunden mit hoher Anzahl von Eigenauskünften in der SCHUFA als kreditunwürdig gelten!!

Begründung: erfahrungsgemäß würden “gerade jüngere Leute mit der Eigenauskunft ‚etwas vorhaben‘ und “künftig” auffällig werden…”.

Kommentar von Finanztest: “Auf gut deutsch: wer nachfragt, macht sich verdächtig”.

Und dies eben unabhängig davon, ob jemand zahlungsunfähig ist, Negativeintragungen in der SCHUFA hat – oder nicht! Dies zeigt, daß beim Score die tatsächlichen Einzelfallumstände keine Rolle spielen, sondern nur die Zugehörigkeit zu einer ( fiktiven ) Gruppe.

Finanztest fragte den Geschäftsführer der Bundes-SCHUFA, Wulf Bach, danach, was er Personen rät, die mit ihrem Score Probleme haben. Seine Antwort erscheint nicht  gerade praktikabel: “Zunächst sollten sie von den jeweiligen Firmen den verwendeten Score verlangen. Dann sollten sie versuchen, die für sie sprechenden Faktoren anzubringen, um so die negative Gruppenprognose des Scores zu entkräften. Nützt das auch nichts, können sich diese an die SCHUFA wenden, damit sie die der Score-Berechnung zugrundeliegenden Daten eventuell korrigiert und dann den Score neu berechnet. Oder der Score wird im Gespräch mit der jeweiligen Firma so berechnet, daß sich der Fehlschluß aufklärt.”

Na denn…!

Banken ohne Schufa-Anschluss?

“Geldprobleme? Finanzprobleme? Schufa-Probleme? So wirbt ein Unternehmen um unsere Kundschaft… ! Per (teurem) Faxabruf bekommt man über “IT Services Bruxelles / Belgien”  eine Liste von deutschen Kreditinstituten, die nicht der Schufa angeschlossen sein sollen. Vorwiegend sollen die genannten Vertragspartner (darunter übrigens viele Volks-/Raiffeisenbanken und Sparkassen) ein Guthabenkonto ohne Schufaauskunft ermöglichen.

Zitat: “… hier brauchen Sie keine Schufaklausel bei der Kontoeröffnung zu unterschreiben – was übrigens auch von Verbraucherschutzorganisationen empfohlen wird. Sicherlich bedienen sich die Kreditinstitute anderer Auskunfteien ( denn kein “Kredit ohne Auskunft”!!!) z.B. Creditreform, doch hier erwarten sie keine vergleichbaren …Folgen…”

Die Darstellung ist so gehalten, daß eine überschuldete Person Hoffnung haben könnte, hier auch auf einfache Weise einen Kredit zu bekommen. Ein “Stichproben-Anruf bei der im Faxabruf genannten Volksbank Pfullingen ergab folgende Auskunft. Natürlich habe man von der Auflistung erst im Nachhinein erfahren. Zwar sei man aus Kostengründen tatsächlich nicht an die Schufa angeschlossen. Die ganze Sache sei aber “reine Geldmacherei” und entpuppe sich bei näherer Betrachtung als Mogelpackung. Insbesondere sei beispielsweise die Volksbank Pfullingen nur regional tätig und lehne (die seit der Veröffentlichung des Faxabrufes vermehrt eingehenden) Anfragen außerhalb ihres Einzugsgebietes ab. Allerdings sei für Personen im Einzugsgebiet ein Konto auf Guthabenbasis i.d.R. kein Problem. Bei Krediten sei die Vergabe auch ohne Schufa kein Problem. Erstens verlange man eine Selbstauskunft mit Belegen zu den Angaben von Einkommen etc.. Zweitens verlange man bei evtl. Krediten entsprechende Sicherheiten.

Quellen Thema Schufa & Co:

Faltblatt zur SCHUFA, Herausgeber: Bundes-SCHUFA e.V., 65185 Wiesbaden, Kronprinzenstr. 28, Infos auf der Schufa-Homepage vom 10.4.01

”Schuldnerberatung in der Drogenhilfe”, Stiftung Integrationshilfe

Vertragsunterlagen von DeTeMobil

Faxabruf von IT Services Bruxelles

WISO-Tipp /ZDF-Sendung vom 30.10.2000

Quelle:Infodienst Schuldnerberatung